Studiengebühren müssen sein...
… solange nur ein Bruchteil der Gesellschaft das Uni-Privileg geniesst
In Nordrhein-Westfalen wird am Sonntag gewählt. Über eine der wichtigsten Gerechtigkeitsfragen aber wird es keine Abstimmung geben: Studiengebühren. Selbst die CDU hat die Campusmaut vorsorglich aus ihrem Programm genommen.
Das bedeutet: Die Gebühren für den privaten Karriereturbo Hochschulen bleiben abgeschafft. Anders gesagt: In NRW darf eine kulturelle und soziale Oberschicht ihre Kinder ab sofort wieder mit dem profitträchtigen Privileg eines Studiums beglücken – ohne dafür zu bezahlen. Das ist, man kann es nicht anders sagen, ein Affront gegen alle Nichtabiturienten, vor allem gegen Haupt- und Sonderschüler. Denn sie werden das Universitätsprivileg nicht in Anspruch nehmen. Es ist ihnen juristisch durch ihren Bildungsmalus verwehrt. Sie müssen also mit ihren Steuern jene Studienplätze finanzieren, die sie und ihre Kinder so gut wie nie einnehmen werden.
Für einen Staat, der qua Verfassung verspricht, die Gesellschaft gerechter zu machen, ist das eine schwere Hypothek. An den Hochschulen wird das zutiefst ungerechte Schulsystem konsequent weitergeführt. Der Staat benachteiligt die Kinder aus kulturell armen Familien – und er bevorzugt die Kinder der – überspitzt gesagt – Schönen und Reichen. (Siehe Bildungstrichter und ausführlich das Kapitel der DSW Sozialerhebung bei scribd)
Das ist eine unbequeme Wahrheit. Die in Deutschland nicht ohne Weiteres angenommen wird. Studien seriöser Institute wie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) haben kürzlich gezeigt, dass von einem Bezahlstudium keine realen Abschreckungseffekte ausgehen. Im Gegenteil, diejenigen Teile der Unterschicht, die das Abitur schaffen, gehen relativ gezielt dorthin, wo das Studium kostet. Sie machen eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf. Sie wüssten, dass es sich lohnt, in Bildung zu investieren, schreiben WZB-Autoren.
In Nordrhein-Westfalen wird am Sonntag gewählt. Über eine der wichtigsten Gerechtigkeitsfragen aber wird es keine Abstimmung geben: Studiengebühren. Selbst die CDU hat die Campusmaut vorsorglich aus ihrem Programm genommen.
Das bedeutet: Die Gebühren für den privaten Karriereturbo Hochschulen bleiben abgeschafft. Anders gesagt: In NRW darf eine kulturelle und soziale Oberschicht ihre Kinder ab sofort wieder mit dem profitträchtigen Privileg eines Studiums beglücken – ohne dafür zu bezahlen. Das ist, man kann es nicht anders sagen, ein Affront gegen alle Nichtabiturienten, vor allem gegen Haupt- und Sonderschüler. Denn sie werden das Universitätsprivileg nicht in Anspruch nehmen. Es ist ihnen juristisch durch ihren Bildungsmalus verwehrt. Sie müssen also mit ihren Steuern jene Studienplätze finanzieren, die sie und ihre Kinder so gut wie nie einnehmen werden.
Für einen Staat, der qua Verfassung verspricht, die Gesellschaft gerechter zu machen, ist das eine schwere Hypothek. An den Hochschulen wird das zutiefst ungerechte Schulsystem konsequent weitergeführt. Der Staat benachteiligt die Kinder aus kulturell armen Familien – und er bevorzugt die Kinder der – überspitzt gesagt – Schönen und Reichen.
Als die sehr unbequemen Erkenntnisse des Instituts im Bundestag diskutiert wurden, durfte man staunen. Die Antigebührenlobbyisten von links bis grün drehorgelten einfach ihr dümmliches Argument weiter, Gebühren seien ungerecht – gerade so, als hätte es die WZB-Studie nie gegeben. In der Studie steht, Gebühren verriegeln die Unis für Arme nicht. Gewerkschaften und Studentenverbände behaupteten aber kess das Gegenteil – ohne empirischen Beleg. So etwas nennt man Ideologie. Die Welt aus seiner falschen Vorstellung leiten zu wollen, obwohl die empirischen Fakten etwas anderes sagen.
Weil man keine eigenen Erfahrungen gelten lässt, werden in der Debatte immer wieder solche aus dem Ausland bemüht – zum Beispiel die USA: Dort trieben hohe Studiengebühren die Mittelschichtsfamilien in Scharen in die Armut. Ein gar schröckliches Beispiel!
So gemahnen es die Gebührengegner hierzulande mit tiefem Bass und hohem Zeigefinger. Was sie nicht sagen: Erstens ist es US-Familien offenbar viel wert, in ihre Kinder und das Studium zu investieren. Und zweitens: In den USA kostet ein Studium bisweilen 6.000 Dollar pro Monat, in Deutschland aber nicht mal 100 Euro! Was für ein grotesker Vergleich. Für wie dumm halten Gebührengegner eigentlich die Öffentlichkeit?
In dieser Zeitung war gerade ein Bericht aus den Arbeiterunis in den Elendsvierteln rund um das peruanische Lima zu lesen. Dort haben die Macher der aus dem Wüstenboden gestampften Volksuni Folgendes bemerkt: Die Kurse kommen besser an – wenn sie etwas kosten. Die Studenten nehmen die Ausbildung ernster, wenn sie nicht umsonst ist.
Diese Studenten sind nicht etwa reich, sondern arm. Die Kinder von Indígenas und Bauern, die in der Stadt ihr Glück suchen. Und für ihre Ausbildung einen Beitrag leisten (wollen). Eine selbstverständliche menschliche Regung – die deutsche Gebührenideologen Unrecht nennen. Die Erde ist und bleibt eben eine Scheibe. (Christian Füller)
Offener Brief zur "Kinderpornoleier"
Offener Brief an Jörg Rupp, den Autoren des Begriffes „Kinderpornoleier“
Sie, Jörg Rupp, sind maßgeblicher Netzpolitiker der Grünen in Baden-Württemberg. Sie haben sich bei Twitter zu Warnungen vor kinderpornografischen Darstellungen und pädosexuellem Grooming so geäußert: „Und wieder die alte Kinderpornoleier“. Sie bezogen sich in einem Folge-Tweet positiv auf einen wegen des Hundertfachen Besitzes von Kinderpornografie verurteilten Mann.
Ich habe das auf Twitter kommentiert: „ein grüner Kinderpornolobbyist.“
Dieser Kommentar war falsch. Ich bedauere, die Tweets Rupps mit der Bezeichnung „grüner Kinderpornolobbyist“ gekennzeichnet zu haben. Ich nehme das zurück. Es tut mir leid. Rupp ist sicher kein Kinderpornolobbyist, er arbeitet oder wirbt nicht für die Porno-Industrie.
Jörg Rupp hat zwischenzeitlich erklärt, er habe den Begriff der „Kinderpornoleier“ nur umgangssprachlich benutzt. Es tue ihm leid, wenn jemand dadurch sexuelle Gewalt im Netz bagatellisiert sehe.
Ich finde richtig, wenn ein Landespolitiker dies einsieht. Ich halte zusammen mit einer überwältigenden Zahl von Anti-Missbrauchs-Einrichtungen den Terminus „Kinderpornoleier“ für völlig unangebracht.
- Er versperrt uns das Verständnis dafür, welche Risiken das Netz insbesondere für Kinder und Jugendliche im Zusammenhang mit sexueller Gewalt birgt. Ein solcher Begriff hält uns davon ab, die neuen Formen von dokumentierter sexueller Gewalt in Web 2.0-Medien zu verstehen. Er blockiert unsere Wahrnehmung für die neuen Störungs- und Krankheitsbilder, die Einrichtungen bei Kindern und Jugendlichen beobachten. (siehe taz)
Ich will kurz schildern, wie ich zu der harten Kommentierung der Rupp´schen Tweets gekommen bin.
1) Jörg Rupp hatte im Bezug auf eine Aufklärungsseite über sexuelle Gewalt in der taz (eine Rezension des Buchs "Im Netz" und einer über die Haltung der Reformpädagogen) gefragt, was es rechtfertige, „den Zusammenhang 'Internet/Pädo' aufzumachen“. Ich habe diese Frage nicht verstanden, denn es steht auf der Seite und ist auch für jeden offensichtlich, wo der Zusammenhang liegt:
Erst vor wenigen Wochen geschah ein schreckliches Verbrechen. Ein junger Mann erstach ein 11-jähriges Mädchen, nachdem er es – so vermutet die Polizei – vergewaltigt hatte. Dieser junge Mann hatte in den Jahren zuvor seine pädophilen Neigungen durch den Konsum von Kinderpornos im Netz verfestigt und später auch eigene sexuelle Gewalt gegen ein kleines Mädchen dokumentiert. Experten gehen davon aus, dass aus dem Pädophilen auch durch das Netz ein Pädokrimineller geworden ist.
Um diesen Zusammenhang ging es: Pädokriminelle nutzen das Netz intensiv. Sie nutzen das Netz, um sich auszutauschen, zu ermutigen oder Tipps zu geben. Sie nutzen das Netz, um den Kontakt mit Kindern und Jugendlichen zu intensivieren (wie der jüngst verurteilte Lehrer in Hamburg) und sie nutzen das Netz um überhaupt erst Kontakt mit Kindern und Jugendlichen aufzubauen. Darüberhinaus gibt es ein massives Problem mit Kinderpornografie im Netz, sei es zum Verkauf, Vertrieb oder die Werbung.
2) Jörg Rupp unterstellte in seinem Tweet, später auch in diversen Blogposts, auf der Seite der taz und in einem der rezensierten Bücher („Im Netz“ von Julia Weiler) werde das Netz zur Ursache für sexuelle Gewalt erklärt. „Das böse Internet, die bösen Pädokriminellen und die sozialen Netzwerke – da passiert das alles“, heißt es bei Rupp.
An keiner Stelle auf der taz-Seite noch im Buch Julia von Weilers steht so etwas – im Gegenteil heißt es dort wörtlich: Kinderpornografie „ist keine Erfindung des bösen weltweiten Netzes“.
3) Jörg Rupp bezichtigt die Organisation „Innocence in Danger“, deren deutsche Sektion die Autorin seit vielen Jahren leitet, dass sie nichts für den Kinderschutz tue und nur an Charity-Events interessiert sei. Das ist schlicht falsch:
Innocence in Danger (IID) ist eine anerkannte Einrichtung, die Aufklärung und unmittelbaren Kinderschutz verwirklicht. Julia Weiler hat gemeinsam mit dem „Bundesverein zur Prävention“ das erste nationale Infotelefon gegen sexuellen Missbrauch ins Leben gerufen, N.I.N.A. IID entwickelte und bezahlt mehrere vorbildliche Aufklärungsprogramme und -stücke wie das partizipative Film-Theater „offline“. IID veranstaltet wissenschaftlich begleitete Erholungskuren für missbrauchte Kinder. IID hat soeben für „smart user Peer2Peer“ einen Preis des „Bündnis für Kinder“ bekommen – die Juroren waren ein exzellent besetzter Fachbeirat. Das sind alles kluge, sensible und fachlich exzellente Programme.
IID ist Teil eines Netzwerks gegen sexuelle Gewalt und Kinderpornografie. Die wichtigen Jobs der täglichen Hilfe machen kleine Organisationen und Initiativen wie Petze, Strohhalm, Berliner Jungs, Wildwasser, Zartbitter, Innocence in Danger und viele viele mehr. Die Studien im Auftrag der „Unabhängigen Beauftragten gegen sexuellen Kindesmissbrauch“ zeigen eindrücklich, dass ein akuter Mangel an Hilfe und Unterstützung für solche Organisationen der Betroffenenhilfe besteht. Es gibt in diesem Land eher eine Tradition des Täter- als eine des Opferschutzes.
- Diese Organisationen kämpfen gegen Kinderpornos, ihre Hersteller und Nutzer – Jörg Rupp hat einen verurteilten Nutzer als Zeugen angeführt.
- Diese Organisationen leiden in ihrer täglichen Arbeit unter bagatellisierenden Begriffen wie dem der „alten Kinderpornoleier“ – Jörg Rupp hat einen solchen Begriff benutzt.
- Jörg Rupps Blogeinträge dienen gar Attacken von Kommentatoren auf das gesamte Netzwerk gegen Missbrauch und sexuelle Gewalt.
Das war es, was mich zu dem Begriff „grüner Kinderpornolobbyist“ provozierte. Es war falsch und ich entschuldige mich dafür. Christian Füller
Lustvolle Selbstunterwerfung
Analysten, Börsen, Kunden – die Welt ist besoffen von Apple-Produkten. Und unterwirft sich freiweillig Standards und Bedingungen. Aber ein jailbrake wird kommen
VON CHRISTIAN FÜLLER
Süßer die Äpfel nie waren. Keine Woche, nachdem der kalifornische Hersteller von Computern mit Flair einen neuen Markt ins Visier genommen hat, verkündete er nun die Quartalszahlen. Nein er röhrte sie hinaus, 37 Millionen smartphones verkauft, 15 Millionen Tablets, der Umsatz allein des Weihnachtsquartals 2011 liegt über dem Gesamtergebnis des Jahres 2009.
Apple ist bereits ein Weltmarkt-Gigant, aber das Wachstum scheint unbegrenzt. Auch die Kontrahenten Microsoft und Google, die selbst Mega-Player sind, können da nicht mit.
Jedenfalls scheint es so. Ein kleiner Blick auf den Teilmarkt der iPods zeigt aber, dass auch globale Märkte Sättigungen hinnehmen müssen. Minus 20 Prozent! Sollte so ein Ergebnis beim Kassenschlager iPhone eintreten, und das muss ja so sein, weil sich nicht mal Telefonjunkies alle drei Monate ein neues Handy kaufe, dann wehe dem, was die Analysten verbreiten werden. Schon als Steve Jobs ins Grab sank und Tom Cook den Joystick weiterreichte, unkten die Business- und Tech-Kassandras: jetzt kann's nur noch bergab gehen. Ein Tal wird kommen.
Aber der Apfel hat vorgesorgt. Mit dem Abbrennen des Quartalsfeuerwerks IV 2011 wird deutlich, wie strategisch bedeutsam der Angriff auf den Bildungsmarkt vergangene Woche war. Apple füttert damit künftige Kunden an – Schüler. „Wir streben mittelfristig an, den Schülern ihr Tablet mit nach Hause zu geben“, berichtet der Leiter einer Hautschule am Rande des Ruhrgebiets. In der Schule gibt es neuerdings zwei siebte Klassen mit iPads. Einen besseres Marketing für den Kalifornischen Computerhersteller ist schwer denkbar. Die Teenies brechen in regelrechtn Torjubel aus, wenn sie das hören. Fragt man sie aber beispielsweise, ob sie mal einen Moodle-Kurs besuchen wollen (Moodle ist eine an Schulen übliche, relativ leicht zu bedienende Lernplattform), dann fragen sie genervt: „Was ist das denn?“
Aber der Tablet-PC ist nicht nur ein Werbegag. Die Wunderflunder, die inzwischen alle anderen Hersteller auch auf den Markt bringen, ist derzeit das klassenzimmerfreundlichste IT-Endgerät. Der Tablet-PC ist sofort an, er wirkt wie eine natürliche Übersetzung des Buchs ins Digitale – und er enthält eine unendlich steigerbare Anzahl an Applikationen. Derzeit gibt es bereits Tausende solcher Lern-Apps, sie gehen von einfachen Wörterbüchern über Buchschreib-Apps wie „Book Creator“ bis hin zu Überraschungen wie dem App „famous books“ - das niemand anders als die Bayerische Staatsbibliothek herstellt.
In diesen „Treasures of the Bavarian States Library“ finden sich unter anderem gescannte Faksimiles der Gutenberg-Bibel. Das digitale Buch-App frisst gewissermaßen seinen Ahnherrn. Das ist die eine Pointe, die andere, wichtigere ist diese: Apple braucht nicht selber Inhalte herstellen, die Profis für den Content sind die bisherigen. Das heißt, der Standard, den der Apfel setzt, ist kein erzwungener, sondern einer mit hohem Sexieness-Faktor: Wer etwas auf sich hält, stellt ein App her. Den Rest entscheidet der Markt. Und der steht sperrangelweit offen für das iPad, dessen dritte Generation bald auf den Markt kommen wird. Die schönste Diktatur ist immer noch die der lustvollen Selbstunterwerfung.
„Apple hat eine Dekade investiert, um ein komplettes Ökosystem von Hardware, Software und online-Kaufhäusern aufzubauen“, schreiben die Analysten ehrfürchtig, und sie haben ja Recht. Konkurrenz ist möglich – innerhalb des Apfel-Kosmoses, etwa wenn es darum geht, das beste Lern-App herzustellen. Allerdings gibt es keinen Standard, der sich nicht selbst verdauen würde. Schon mokkieren sich die ersten Lehrer-Blogger, die digitalen Buchprodukte seien nicht ausgereift. Wer wirklich etwas auf sich hält, kauft nicht bloß einen Apfel, sondern knackt die Sperren, Sicherungen und Ortungsmechanismen von Big-Brother Steve. Gott hab ihn selig! Aber ein jailbrake wird kommen.
Glasbrechers Schmerzensgeld
Das Erklären von Betroffenheiten im Falle sexueller Gewalt ist beinhahe unüberbietbar groß. Das echte Anerkennen von Schuld und Scham hingegen ist ununterbietbar klein. Die katholische Kirche zahlt Pauschbeträge von 5.000 Euro, Bund und Länder werden wohl noch Jahre brauchen, bis sie sich auf einen gemeinsamen Fonds (wiewohl das Konzept dafür gut ist) geeinigt haben - und die Odenwaldschule, die zum Symbol für brutale und systematische sexuelle Gewalt unter libertären Vorzeichen wurde, diese OSO hat gerade ein demütigendes "Konzept" von 1.000 Euro je Opfer verabschiedet.
Der Verein Glasbrechen e.V. steht für Aussöhnung - aber nicht unter beliebigen Vorzeichen. Er kämpft um die bedingungslose Anerkennung von Schuld - was im Falle der Odenwaldschule offenbar besonders schwer zu haben ist.
Nun hat Glasbrechen sein Schmerzlinderungskonzeot veröffentlicht. Jeder Betroffene soll 7.000 Euro erhalten - und eine Soforthilfe von 2.000 Euro. Für einen so kleinen Verein wie Glasbrechen eine gewaltige Leistung. Und eine vorbildliche. Helfen Sie Glasbrechen, Versöhnung und Verarbeitung möglicher zu machen.
Die Presseerklärung im Wortlaut:
Presseerklärung von Glasbrechen e.V. - ohne Sperrfrist
Opferverein Glasbrechen beginnt mit Auszahlungen an Betroffene
Seit September 2010 hat Glasbrechen e.V. ein Konzept zur opferbezogenen Anerkennungszahlung in enger Zusammenarbeit mit Betroffenen erarbeitet und dessen sofortige Umsetzung auf seiner letzten Mitgliederversammlung am 07.01.2012 einstimmig beschlossen.
Im einzelnen umfasst der Beschluss die sofortige Auszahlung von Euro 7.000,-- an jede/n Betroffene/n, der oder die sich mit einem Antrag auf Anerkennungszahlung bisher an Glasbrechen gewandt hat. Diese Summe soll ab heute als "Schmerzensgeld" zur Anerkennung des an der Odenwaldschule erlittenen Leids infolge pädosexueller Verbrechen ausgezahlt werden.
Zusätzlich wird pro Antragsteller/in ein Betrag in Höhe von Euro 2.000,-- ineinen Fonds für erforderliche Soforthilfe eingezahlt, dies ungeachtet der Tatsache, dass Glasbrechen schon seit seiner Gründung Soforthilfen geleistet hat.
Über den Modus der Auszahlung wird mit jedem und jeder Betroffene/n gesprochen werden müssen, da der von der Odenwaldschule bereits angezahlte Betrag in Höhevon Euro 60.000,-- bei weitem nicht für sämtliche Nachteilsausgleiche ausreichen wird.
Daher fordert Glasbrechen e.V. noch im Januar 2012 von dem Odenwaldschule e.V. eine weitere Zahlung i.H.v. Euro 200.000,--, um möglichst vielen Betroffenen zügig die Anerkennungszahlung vollständig auszahlen und gleichzeitig den Soforthilfe-Fonds anlegen zu können.
Weder die Namen von Betroffenen noch die Anzahl der Anträge zur Anerkennungszahlung werden gegenüber dem Odenwaldschule e.V. offengelegt.
Glasbrechen sichert als mildtätig anerkannter Verein allen Betroffenen der pädosexuellen Gewalt an der Odenwaldschule eine verantwortungsvolle, der absolutenVerschwiegenheit verpflichtete Vorgehensweise beim Umgang mit den jeweiligenAnsprüchen auf Anerkennungszahlungen und Schmerzensgeld zu.
Die Zahlung von 7.000,-- Euro ist als erste, spürbare Zahlung an Betroffene gedacht, und wird lange noch nicht das Ende unserer Bestrebungen darstellen. Glasbrechen e.V. wird weiter kämpfen für eine realitätsnahe Erstattung von Therapiekosten etc. und damit für eine vernunftsbezogene, gleichzeitig mitfühlende Aussöhnung der Odenwaldschule mit ihren Opfern.
Glasbrechen bietet des weiteren allen interessierten Institutionen Gespräche mit unserer Präventionsgruppe an.
Für den Vorstand und die Mitglieder des Vereins Glasbrechen am 16. Januar 2012 Adrian Koerfer
OER-Plattformen bauen – nicht Trojaner!
Lehrerverbände lassen sich von Kultusministern und Schulbuchverlegern hinter die Fichte führen
Willkommen, Herr Lehrer, in der richtigen Politik. Die Lehrerverbände Philologenverband, GEW und VBE haben sich beim Gespräch über den Rahmenvertrag zu § 53 Urheberrechtsgesetz (kurz: Baubeschluss für den „Schultrojaner“) hinter die Fichte führen lassen.
Als das Gespräch (u.a.) mit den Schulbuchverlagen, dem Kultusminister-General Udo Michallik und der VG Wort zuende war, konnte es den Lehrervertretern gar nicht schnell genug gehen zu verkünden, die Trojanergefahr sei gebannt, jetzt beginne die Suche nach Alternativen. Das sollte wohl heißen, so die Botschaft an die Bürger und die Lehrer: Der Trojaner wird gestoppt. Die Programmierung einer Spähsoftware, die Schul- und damit auch Lehrerrechner nach digitalen Kopien filzt, wird beendet.
KMK und Schulbuchverlage bewegen sich keinen Millimeter
Aber, äh, nichts von alledem! Das wäre auch zu schön gewesen. Die Konferenz der Kultusminister (KMK) und die Buchverlage haben sich in Wahrheit keinen Millimeter bewegt. Sie haben einfach das Bestehende zum Neuen umetikettiert.
Man muss nur die Euphorie-Blasen der GEW neben die knochtrockenen Erklärung der KMK legen, dann weiß man, wer Hase und wer Igel ist. Die GEW meint, sie hätte durch ihr Engagement irgendwas verhindert: „2012, so das Ergebnis des heutigen Gesprächs im Sekretariat der Kultusministerkonferenz (KMK), werde keine Schnüffelsoftware eingesetzt.“
Verlage basteln munter an ihrem Schultrojaner
Das ist, mit Verlaub, Quatsch: Die Verlage basteln munter weiter an ihrem Trojaner. Dass er 2012 nicht kommt, hat mit der Komplexität der Aufgabe und verlageinternen Querelen zu tun – aber nichts mit irgendwelchem Lehreraufbegehren. Die „beschriebene 'Scansoftware' wird nach Einschätzung der Vertragspartner bis auf Weiteres, jedenfalls nicht im Jahr 2012, zum Einsatz kommen“ - aber nur, weil sie schlicht noch nicht fertig ist. Die Botschaft der KMK-Erklärung heißt nicht, „wir haben uns getäuscht“, nein, dort steht: „Der Vertrag ist gut! Der Trojaner wird gebaut! (Es daurt nur ein bisschen.) Das Urheberrecht ist wichtig!“
Kein Wort zum intelligenten Lernen mit 2.0-Bausteinen
Das bemerkenswerte an der KMK-Erklärung ist folgendes: Es steht dort mit keinem Wort erwähnt, dass Lehrer intelligenten Unterricht mit digitalen Bits aus dem Netz machen sollen! Die KMK predigt Dienst nach Vorschrift – der Betrieb läuft halt (schlecht) weiter, so heißt die subkutane Mitteilung.
Man muss sich nur beiden Alternativen zum Trohjaner anschauen, um die ganze Blauäuigigkeit der Lehrerverbände zu entlarven: Es heißt bei der GEW, alle Beteiligten arbeiteten an Alternativen. Aha, was sind die Alternativen? Derer gibt es zwei: „open educational resources“, also frei zugängliche Lernmaterialien im Netz – und mehr Geld.
Weiter "best of schoolbook" zusammenkopieren
Das hieße also: Statt des Trojaners wird der kollaborative Markt für „open educational resources“ vorangetrieben. Denn tatsächlich steht die Lehrer2.0-Crowd um @herrlarbig in den Startlöchern, um die CC- und OER-Plattformen mit intelligenten Lernbaustein zu füllen. Und es gibt mehr Geld für Lehrer1.0, um sich weiter seinen Unterricht als ein „best of schoolbook“ zusammenzukopieren.
Allein, diese beiden Aufgaben haben weder die Kultusminister noch, pardon, die hypermoderne GEW auf dem Schirm. Oder gibt es etwa eine Lernen2.0-Abteilung unter den organisierten Lehrern? Oder kennt General Michallik schon jene Abteilungen seiner Minister, die OER denken? Und die andere Alternative, mehr Geld, ist billig zu haben – als Forderung. Die GEW hat im übrigen noch nie etwas anderes gefordert.
Das Lernen der Zukunft, kollaboratives, crowd-basiertes forschendes Lernen, das zugleich sehr individuell ist, steht vor der Tür. Nur: Hinter der Tür steht nicht die GEW, nicht 600.000 Lehrer, und schon gar nicht die KMK. Sondern eine ziemlich intelligente, aber auch ziemlich kleine Gruppe von Twitter-Teachern. Sie warten auf Couragierung und konkrete logistische Hilfe, etwa durch eine Crowd-Source-Plattform, aufgebaut durch die KMK. Aber das Gegenteil ist der Fall: Nicht die OER-Plattform wird gebaut, sondern, mit Verlaub ein trojanisches Pferd, das so hölzern ist wie seine mythologischer Vorfahr. Das ist das durchaus ernüchternde Ergebnis des Gesprächs am 13.12.11.
Zu sehen hier, in der Dokumentation: Erklärung der Kulktusminister nach dem Schulbuchgespräch am 13. Dezember 2012:
Kultusministerkonferenz: Handlungsfähigkeit der Schulen, Datenschutz und Schutz des geistigen Eigentums oberstes Gebot
In Berlin haben sich heute Vertreterinnen und Vertreter der Länder, der Lehrerverbände und der Rechteinhaber erneut mit dem „Gesamtvertrag zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen gem. § 53 UrhG“ befasst. Die Gesprächspartner sind sich einig, dass mit dem Vertrag grundsätzlich ein Rechtsrahmen geschaffen ist, der die Schulen handlungsfähig macht, Rechtssicherheit schafft und der zugleich die Rechte der Verlage und Autoren schützt.
Der Gesamtvertrag regelt Möglichkeiten von Vervielfältigungen für den Unterrichts- und Prüfungsgebrauch aus urheberrechtlich geschützten Werken. Er schafft eine rechtliche Grundlage dafür, dass Schulen in bestimmtem Umfang auf urheberrechtlich geschützte Inhalte zugreifen und diese ohne bürokratischen Aufwand für die Schule nutzen können. Ohne diesen Vertrag müsste jede Schule im Hinblick auf Unterrichtswerke zunächst bei dem betroffenen Verlag die Erlaubnis zum Kopieren einholen und dann einzeln mit dem Schulbuchverlag abrechnen. Dieses Verfahren beträfe rund 43.000 Schulen, 90 Verlage und 40.000 Verlagsprodukte.
Die in § 6 Absatz 4 des Vertrages beschriebene „Scansoftware“ wird nach Einschätzung der Vertragspartner bis auf Weiteres, jedenfalls nicht im Jahr 2012, zum Einsatz kommen. Die Vertragspartner verabredeten, im ersten Quartal 2012 ein weiteres Gespräch zu führen, um mögliche Alternativen zu diskutieren. Alle Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass das geistige Eigentum zu schützen sei und die Rechte der Verlage und Autoren, vor allem auch der beteiligten Lehrkräfte, gewahrt werden müssen. Die Lehrerverbände werden weiter in die Gespräche einbezogen.

